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Faszien

Wissenswertes über Faszien

Faszien – Mehr als nur totes Gewebe

Vor gar nicht allzu langer Zeit galt das Bindegewebe noch als unwichtige Schicht die es wegzuschneiden gilt, sei es bei Gewebepräparationen oder OPs. Dieses Bild hat sich stark gewandelt, denn es zeigt sich, dass die Faszien viel mehr sind als nur totes Gewebe. Faszien sind durchzogen von Rezeptoren, die dafür verantwortlich sind, dass unser Hirn weiß, wo sich der Arm im Raum befindet. Oder wie schaffst du es mit geschlossenen Augen deine Nase mit dem Finger zu berühren? Diese Wahrnehmung des Körpers im Raum wird übrigens Propriozeption genannt und sorgt dafür, dass wir in unserem täglichen Sein ganz unbewusst die Balance halten, aufrecht gehen und stehen können oder andere koordinative Spitzenleistungen vollbringen.

Faszien verbinden und trennen

Faszien durchziehen unseren ganzen Körper von Kopf bis Fuß. Sie umhüllen Muskeln, Knochen, Organe in gröberen Strukturen und Muskelfaserbündel in feineren Strukturen. Wir können von Hüllen um Hüllen um Hüllen sprechen und uns das ganze in etwas so wie bei einer Orange vorstellen.

Orange

Bei ihr ist eine äußere Schale um einzelne Kompartments, welche wiederum eine Hülle um die einzelnen Tröpfchen bilden. Die Tröpfchen halten mit einer Weiteren Hülle den Saft in ihrem Inneren. Beim Muskel ist es ähnlich, auch er wird von einer Faszie umhüllt. Der Muskel selbst besteht aus Muskelfaserbündeln, die ebenfalls von einer Faszie umschlossen werden. Die Muskelfasern an sich haben wiederum auch Hüllen. Jetzt könnte der Eindruck entstehen, dass Faszien alles voneinander abtrennen, aber das stimmt nur zu einem kleinen Teil: Ja es liegen trennende Schichten zwischen einzelnen Muskelstrukturen, welche verkleben können und so Bewegung einschränken, dazu später mehr. Es ist aber auch so, dass Faszien alles miteinander verbinden. Die Faszie am Muskelende verdickt sich und geht in eine Sehne über und so die Verbindung zum Knochen schafft. Es gibt aber auch fasziale Strukturen, die Muskeln miteinander verbinden und das über ziemlich weite Strecken. So kann eine fasziale Verbindung von der Plantarfaszie an der Fußsohle über die Beinrückseiten hinauf an der Wirbelsäule entlang bis über unseren Schädel an die Stirn gefunden werden. Dass diese Strukturen im Zusammenhang stehen, kannst du beispielsweise folgendermaßen an dir selbst testen: Beuge dich mit gestreckten Beinen vorn über und schau, wie weit du mit deinen Fingerspitzen zum Boden reichst. Rolle anschließend mit einem kleinen Ball deine Plantarfaszie (Deine Fußsohle) 5-10 Minuten intensiv aus, sodass du einem angenehmen Schmerz ausgesetzt bist und wiederhole die Übung. Vermutlich kommst du mit deinen Fingern ein ganzes Stück weiter nach unten, denn das ausrollen der Plantarfaszie wirkt sich auf die ganze Kette nach oben hin aus. Diese Verbindungen werden übrigens myofasziale (myo= Muskel) Leitbahnen genannt. Es gibt im Körper verschiedene Muskelketten, die durch die Faszien im Alltagsbewegen immer zusammenwirken. Darum macht es auch Sinn für eine funktionale Kraft und Beweglichkeit diese funktionalen Bewegungsmuster zu trainieren, anstatt isolierte Muskelübungen zu machen.

Nochmal zusammenfassend: Faszien trennen und Faszien verbinden.

Faszien als Strukturgeber

Diese zwei Eigenschaften führen zu einer weiteren Funktion der Faszien: Faszien sind das hauptstrukturgebende Element im Körper. Sie halten die Muskeln und Knochen, aber auch Organe und Fettgewebe dort, wo es seinen Platz hat. Darum sind die Faszien auch mitbestimmend für unsere Körperhaltung, denn gerät das System aus dem Gleichgewicht durch Verkürzungen oder Verklebungen, kann man dies von außen sehen. Alles in unserem Körper passt sich den Gegebenheiten an, denen er ausgesetzt wird. Am einfachsten ist dies beim Muskelaufbau sichtbar. Werden schwere Gewichte gestemmt, wird der Arm dicker, liegt man vier Wochen im Bett atrophiert alles. Der Muskel passt sich relativ schnell an, anders ist es bei den Faszien oder den Knochen. Faszien sind ein langsam arbeitendes Gewebe, Verkürzungen stellen sich nicht so schnell ein. Haben wir jedoch einen Tagesablauf, der im Wesentlichen aus sitzender Tätigkeit besteht, können wir nach einiger Zeit dies an der Körperhaltung ablesen. Die Front ist tendenziell verkürzt, der Zug nach vorn kann zu einem schmerzenden Rücken oder Nacken beitragen. Unter Stress und Anspannung ist bei vielen die Schulter leicht angezogen und nach vorn gerollt, meist auf einer Seite stärker als der anderen, da die Arme unterschiedlich genutzt werden. Auch hier stellt sich gern ein Schulterschmerz ein, in Kombination mit gewissen Sportarten auch ein sogenanntes (Schulter-)Impingement-Syndrom, was zunächst mal nur eine schmerzende Verengung in der Schulter bedeutet. Dies soll nur ein kleine Auswahl an Beispielen der Probleme sein, mit denen ich regelmäßig zu tun habe. Die Krux an der Sache ist, sind die Strukturen erstmal durch langanhaltende einseitige Bewegungen nur noch eingeschränkt beweglich, dauert es eben auch eine sehr lange Zeit diese Bewegungseinschränkungen wieder aufzulösen – vorausgesetzt der ebenso langanhaltenden disziplinierten Arbeit an diesem Problem. Eine Faszientherapie kann hier eine wesentliche Zeitersparnis bringen, denn das Gewebe passt sich durch die Faszienmanipulation viel schneller an als nur durch Übungen. Klar ist aber auch, dass es eine gewisse Aufmerksamkeitsschulung für den Klienten braucht. Ganz wichtig ist es eine grundlegende Haltungs- und Bewegungsschulung mit auf den Weg zu geben, damit das Therapieergebnis nicht nach einem Jahr wieder hinfällig ist. Dabei sollte der Fokus tatsächlich überwiegend auf dem Alltagsbewegen liegen. Übungen sind gute Ergänzungen, aber werden leider häufig vergessen, wenn es nicht mehr weh tut.

Über viele tausende Jahre hat sich der Mensch evolutionär auf den aufrechten Gang spezialisiert, darum sollte es uns möglich sein entspannt lotgerecht im Schwerefeld der Erde zu stehen. Legt man das Lot durch unseren Körper, schlängeln sich Wirbelsäule, Becken und Beine daran entlang und nehmen eine Mehrfache S-Form oder auch Zick-Zack-Linie ein. Durch einen stark veränderten Lebensstil in den letzten 100 Jahren, der die meisten Menschen in stark repetitive Aufgaben und/oder viele Stunden sitzender Tätigkeit zwingt, wird das System gänzlich anders belastet als es ursprünglich über tausende Jahre jagende und sammelnde Gesellschaft der Fall war, aber auch in den letzten 5-10 tausend Jahren, in denen Viehzucht und Ackerbau betrieben wurden, lebte der Mensch bewegungstechnisch sehr vielfältiger als er es im Schnitt in den letzten 100 Jahren tut. 

Der Rücken schmerzt
Warum ist es sinnvoll mehr als den Rücken zu behandeln?

Diese Frage lässt sich eigentlich schon aus den vorherigen Ausführungen ableiten: Alles hängt zusammen, denn die Faszien verbinden alles miteinander. Ganz anschaulich kann man dies mit dem Tensegrity-Modell erklären. Tensegrity Das Tensegrity Modell besteht aus festen Stäben und Bändern, wobei sich die Stäbe nicht berühren und nur durch die Bänder stabil gehalten werden. Das System kann Kraft aufnehmen und wieder abgeben, es wird durch die Krafteinwirkung also nicht zerstört. Die Zugspannungen (tension) der Seile halten die Stäbe und somit das Gesamtsystem zusammen (integrity), wodurch die Wortschöpfung Tensegrity entstand. Dieses Modell stammt eigentlich aus der Architektur (Richard Buckminster Fuller und Kenneth Snelson), ist aber wunderbar auf den Körper übertragbar. Denn auch im Körper werden Knochen über Faszien mit Muskeln verbunden, Kraft wird übertragen usw. Verändert man im Tensegritymodell ein Band, in dem man es beispielsweise verkürzt, wird man feststellen, dass sich das gesamte System daraufhin verändert, solange bis die Verkürzung wieder aufgelöst wird. So ähnlich passiert dies auch im Körper, nur das Veränderungsprozesse wesentlich langsamer ablaufen. Sind einige Strukturen im Körper kurz, wird dies an anderer Stelle kompensiert. Anders als bei dem hier gezeigten kleinen Tensegrity-Modell wirken sich die Kompensationsspannungen eben auch wieder auf benachbarte Strukturen aus, sodass über eine Kette von Ausgleichsmechanismen eine Fehlnutzung des Fußes sich eben sogar in Nackenschmerzen äußern könnte. Es kann sogar sein, dass man die Fehlhaltung des Fußes korrigiert, aber die über Jahre erworbenen Kompensationsmuster im restlichen System beibehält, weil eben auch diese faszial „gespeichert“ sind, sodass im Nachhinein nicht mehr eindeutig zu zeigen ist, was die eigentliche Ursache für gewisse erworbene Fehlhaltungen und/oder Schmerzsymptomatiken ist. Um also auf die Eingangsfrage final zu beantworten: Dadurch das alles mit allem zusammenhängt und teilweise die tatsächlichen Ursachen für gewisse Körperstrukturelle Probleme einfach nicht komplett sichtbar sind, macht es Sinn, den gesamten Körper auf faszialer Ebene zu behandeln und somit einen kompletten Körperreset durchzuführen.

Wieso verkleben oder verfilzen Faszien?

Im Tierreich sehen wir Katzen oder Hunde sich regelmäßig rekeln – sie recken sich, kugeln und rollen sich, sie strecken sich aus und knautschen sich zusammen. Das ist das Antifaszienverklebungsprogramm der Natur, das auch wir nutzen könnten, aber meist verlernen. Katze Schon nach einer Nacht fühlen wir uns morgens meist etwas steif und müssen erstmal etwas Fahrt aufnehmen, eh alles läuft. Dies ist bereits auf kleine Verklebungen der Faszien zurückzuführen, die normalerweise leicht durch obiges Faszienentklebungsprogramm aufgelöst werden könnten. Aber was passiert hier genau? Zwischen den Faszien fließt unter anderem die Lymphflüssigkeit, die für den Abtransport von Erregern verantwortlich ist. Damit dies effektiv passieren kann, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein. Die Muskeln müssen kontrahieren, da durch die Muskelbewegung die Flüssigkeit bewegt wird. Die Erreger müssen gebunden werden, was durch körpereigene Proteingerinnungsfaktoren dargestellt wird. Letzteres ist vergleichbar mit der Gerinnung des Blutes bei einer Verletzung, die letztlich für den Verschluss dieser sorgt. In der Lymphe werden Erreger, welche letztlich auch immer irgendeine Art Proteinstruktur darstellen gebunden und so leichter Abtransportiert. Jedoch sind dies nicht die einzigen Proteinstrukturen und so bildet sich bereits nach einer Nacht eine feine faserige Struktur zwischen den Faszienschichten, die bei der ersten stärkeren Bewegung wieder einreißen kann. Problematisch wird es wenn die Strukturen längere Zeit unbewegt bleiben, da sich jetzt diese Verklebungen verstärken und nicht mehr einfach aufgelöst werden können. In der Folge kann sich diese Struktur aber auch wiederum schlechter bewegen, was zu einem Teufelskreis führt. Die Folge sind Kompensationsbewegungen, die möglicherweise viel mehr Energie verbrauchen, aber auch Schmerzen und ein allgemein schlechteres Bewegungs- und Körpergefühl. Auch der Abtransport der Lymphe ist eingeschränkt, da die Strukturen ja verklebt sind, wodurch sich Erreger hier leichter „verstecken“ können und bei Ausbruch einer Erkrankung dem Immunsystem zusätzlich zu schaffen machen. Nicht selten berichten Klienten nach ihrer ersten Sitzung von einem Tag Abgeschlagenheit und leichtem Fieber. Durch die Arbeit an den Faszien und die Befreiung der Strukturen muss das Immunsystem den gesammelten und nun hervortretenden „Schmutz“ erstmal verarbeiten. Später ist es dafür entlastet und kann sich voll auf einen eintretenden Infekt einstellen.

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